Risiko für Herzkrankheiten steigt in den Wechseljahren

Herz-Gefäß-Erkrankungen werden meist mit Männern assoziiert, da diese durchschnittlich etwa zehn Jahre früher betroffen sind als Frauen. Daraus sollte aber keine Entwarnung abgeleitet werden: Auch bei Frauen stellen kardiovaskuläre Leiden die Hauptursache für Klinikaufenthalte und vorzeitige Todesfälle dar. Insbesondere in der Menopause kann das Risiko zunehmen.

Die Wechseljahre fristeten in der medizinischen Forschung lange Zeit ein Schattendasein. Erst in diesem Jahrtausend sind die vielfältigen und nachhaltigen Auswirkungen der hormonellen Umstellungsphase in den Fokus gerückt. Gut belegt ist mittlerweile beispielsweise, dass der sinkende Östrogenspiegel das Risiko für Knochenschwund erhöht. Aber auch das Herz-Kreislauf-System kann belastet werden, und zwar dauerhaft.

„Das beginnt schon damit, dass die hormonellen Veränderungen bei vielen Frauen zu einer Gewichtszunahme und einer ungünstigeren Fettverteilung – mit mehr Bauchfett – führen, ein Risikofaktor für Herz-Gefäß-Erkrankungen und Diabetes“, erklärt der Kardiologe und Internist Dr. Rüdiger Zorn von der Kranoldpraxis in Berlin-Lichterfelde. „Spätestens mit Beginn der Menopause sollte die Kardiovorsorge daher großgeschrieben werden. Idealerweise schon früher, denn auch jüngere Frauen leiden oftmals unbemerkt unter Herzerkrankungen.“

Dass schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle vor allem Männer beträfen, ist ein hartnäckiges Vorurteil. Es beruht darauf, dass Männer statistisch zehn Jahre früher unter manifesten Herz-Gefäß-Krankheiten leiden als Frauen. Auch bei diesen bilden Herzerkrankungen jedoch die Hauptursache für Krankenhauseinweisungen und vorzeitigen Tod, wie dem jüngsten Deutschen Herzbericht zu entnehmen ist, der für 2023 rund 51.000 auf koronare Herzkrankheit (KHK) zurückgehende Todesfälle von Frauen erfasst hat.

Doppeltes Bluthochdruckrisiko in und nach der Menopause
Einen großen Anteil daran hat Östrogen. Das weibliche Sexualhormon hält die Gefäße elastisch und wirkt Bluthochdruck entgegen. Diese herzschonende Wirkung entfällt in und nach den Wechseljahren weitgehend. Hinzu kommen bei zahlreichen Frauen Schlafstörungen und Ängste, die den Blutdruck ebenfalls erhöhen können. In der Folge steigt das Bluthochdruckrisiko in dieser Phase auf das Doppelte. Laut AOK-Schätzungen haben in Deutschland über zehn Millionen Frauen einen zu hohen Blutdruck.

Da dieser zu den wesentlichen Risikofaktoren für Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere kardiovaskuläre Leiden zählt, tun Frauen gut daran, ab der Menopause ihren Blutdruck im Blick zu behalten und ihr Herz-Gefäß-System regelmäßig checken zu lassen. Das gilt auch für jüngere Frauen, bei denen Risikofaktoren wie Einnahme der „Pille“, Rauchen oder Übergewicht vorliegen.